Schulden als Ketten – Frank Schäfflers Aufklärungsbuch für die nachwachsende Generation

Frank Schäffler: Generation Debts. Die Generation, die alles bezahlen muss. LMV Verlag – Edition Prometheus 2026, 248 Seiten.

Ich habe dieses Buch nicht als neutraler Gutachter gelesen, sondern als jemand, der den Autor schätzt und gespannt war, was es mir selbst noch zu sagen hat. Vorweg: Es hat mir mehr gesagt, als ich erwartet hatte – und es würde, davon bin ich überzeugt, vor allem jenen viel sagen, die es am dringendsten lesen sollten.

Frank Schäfflers Buch gehört in die ehrwürdige Reihe der publizistischen wirtschafts- und finanzpolitischen Aufklärung. Es ist nie oberflächlich, im Gegenteil: Es verbindet finanzpolitischen Sachverstand mit der Erfahrung des langjährigen Bundestagsabgeordneten, dessen persönliche Erlebnisse immer wieder als anschauliche Belege eingeflochten werden. Daniel Stelters knappes Vorwort – „Schulden, die Ketten der Unfreiheit“ – setzt den Ton. Doch das Buch löst diesen Ton nicht in Alarmismus auf, sondern in geduldige Erklärung.

Drei große Kapitel tragen das Werk: die „Boomer-Erblast Generationenvertrag“, die „Boomer-Erblast Verschuldungsfalle“ und, als Wendung ins Konstruktive, „Freiheit für die Generation Debts“ – beschlossen von einem eigenständigen Aufruf zum Kulturkampf. Im Kern geht es Frank Schäffler weniger um eine technische Schuldenanalyse als um Kulturwandel gegen eine vermeintlich unabänderliche Entwicklung: um „Freiheit und Zuversicht“ (S. 16) und um die schlichte, eindringliche Maßgabe, seinen Kindern noch in die Augen sehen zu können.

Bemerkenswert ist, wie kompakt der titelgebende erste Teil bleibt. Das Rentensystem wird ausführlich, aber stets verständlich erläutert: Umlage statt Versicherung, fehlender politischer Veränderungswille, Schweden als bessere Alternative. Präzise Befunde wie jener, die gesetzliche Rente sei der Sache nach eine Steuer auf Einkommen (S. 44), oder die klare Erklärung von Kreditermächtigungen (S. 77 f.) zeigen es: Er macht Komplexes greifbar, ohne es zu verflachen – das ist Frank Schäfflers große Stärke.

Den breiteren Raum nimmt sein eigentliches Lebensthema ein – das Geld. EZB und EU, Schuldenbremse und Schuldenunion, die globale Verschuldungskrise, die Pervertierung des Geldsystems, Cantillon-Effekt und Interventionsspirale, schließlich die Schweiz als Gegenmodell und Argentinien als Menetekel des Lebens auf Pump. Hier ist das Buch dichter, als der Titel vermuten lässt, und gerade das macht es wertvoll. Der dritte Teil plädiert entschieden für Regeln: gegen Verschuldungsexzesse, gegen Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank, gegen einen „lirafizierten Euro“ (S. 143), für Wettbewerb und Dezentralität. Mileis Aufstieg als Symptom einer „erschöpften Welt“ (S. 136) ist treffend diagnostiziert. Bitcoin, für das Schäffler offen wirbt, wird umfassend behandelt.

An einer Stelle möchte ich kollegial widersprechen. Frank Schäffler spricht von „zentral gelenkter Staatswirtschaft“ (S. 151). Aus ordnungstheoretischer Sicht greift diese Kategorie zu kurz: Was wir beobachten, ist seltener planwirtschaftliche Lenkung als eine Organisationswirtschaft – ein dritter Koordinationstyp jenseits von Markt und Zentralverwaltung, in dem organisierte Verflechtung, Verbände und privilegierte Großstrukturen die Ordnung formen. Das schmälert Frank Schäfflers Diagnose nicht; es schärft sie nur.

Durchgängig überzeugt das didaktische Mittel der Alternativen-Frage: Was wäre, wenn man mit achtzehn regelmäßig einen kleinen Beitrag für die eigene Rente zurücklegte? Der Duktus ist klassisch liberal, doch natürlich und handfest, nie akademisiert. Der „Plan B“ ist denkbar klar: Aktienkultur stärken, Regulierung einfach machen, Freiheit für die Rente. Die Kritik an staatlichen Surrogaten wie der Riester-Rente fügt sich nahtlos ein.

Ein offener Einwand sei nicht verschwiegen: Die Unterhaltsamkeit und thematische Vielfalt geht bisweilen auf Kosten eines ganz klaren roten Fadens. Doch ich neige inzwischen dazu, das nicht als Schwäche, sondern als Genre zu lesen. Aufklärungsliteratur lebt vom Fundus, nicht vom durchkomponierten Argumentationsbogen. Der rote Faden ist hier kein analytischer, sondern ein moralischer: Schulden als generationelle Unfreiheit, aufzulösen durch Kultur und bessere Regeln, die politisch erwirkt werden müssen.

Und damit zur eigentlichen Eignung des Buches. „Generation Debts“ ist für die junge Generation geschrieben – sofern sie noch Bücher liest. Ich würde weiter gehen: Es ist ein Buch, das man nach dem Abitur lesen sollte, bevor man in ein Erwerbsleben eintritt, dessen finanzielle Architektur man andernfalls nie versteht. Es vermittelt in zugänglicher Form, was Schulbildung systematisch ausspart. Zugleich ist es kein reines Generationenpamphlet: Auch die viel gescholtenen Boomer können hier noch etwas lernen – nicht zuletzt über die Folgen einer Ordnung, von der sie profitiert haben.

Wer Freiheit und Zuversicht für die Nachwachsenden ernst meint, findet bei Frank Schäffler nicht nur eine Diagnose, sondern eine Einladung zum Kulturwandel. Das ist mehr, als die meisten Bücher dieses Genres leisten.

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