Zu: Simon Geissbühler: Der eigenen Stimme folgen – gegen den Strom. Renegaten, Outlaws, Einzelgänger der Freiheit, LIT Verlag 2026, 207 S., 14,80 Euro.
Simon Geissbühler, Schweizer Diplomat und vielschreibender Autor abseits seines Berufs, hat ein Buch über das Eigensinnige vorgelegt. Drei Figuren strukturieren den Band: der Renegat, der Outlaw, der Einzelgänger – verstanden als Verfechter individueller Freiheit gegen Konformitätsdruck und Massendynamik. Das Anliegen formuliert der Verfasser unverstellt: „Dieses Buch will aufzeigen, dass es möglich, richtig, hart, aber auch schön ist, gegen den Strom zu schwimmen. Es versammelt Notizen, die über die Jahre entstanden sind.“ Der zweite Halbsatz bezeichnet die Gattung präziser als der erste die These.
Aufbau und Stoff
Nach Einleitung und einer kurzen Typologie der drei Figuren skizziert Geissbühler drei Megatrends, die das Anliegen rahmen: das Ende des unipolaren Moments mit zurückkehrenden Konflikten, autokratische und autoritäre Tendenzen mit Druck auch aus dem Inneren liberaler Gesellschaften, und das Umpflügen der Gesellschaft durch neue Technologien, insbesondere Künstliche Intelligenz. Es folgen acht Kapitel mit Fallstudien aus Literatur und Film: Schillers Wilhelm Tell, die dystopische Trias 1984, Schöne neue Welt, Fahrenheit 451, dann David Eggers‘ The Circle und Every, anschließend der Film Matrix und die Serie Andor. Ein zweiter Block versammelt Stimmen aus der historischen Erfahrung: die Holocaustüberlebenden Imre Kertész, Norman Manea und Jean Améry, dazu ein knappes Kapitel über Ernst Jüngers Waldgänger. Den Schluss bilden Leo Strauss als philosophischer Renegat und Herta Müller als Outlaw der Diktatur, gefolgt von einem programmatischen Kapitel: „Eine Anleitung, um gegen den Strom zu schwimmen.“
Die Stoffwahl ist breit, die Belesenheit unverkennbar. Fast 500 Fußnoten unterfüttern den Text – ein Literaturverzeichnis fehlt allerdings, eine bei akademisch präsentierten Bänden ungewöhnliche Auslassung.


Wer in der Aprilausgabe 2026 der sehepunkte das Forum Unternehmen und Nationalsozialismus liest, begegnet einem eigentümlichen Gemisch. Neun Rezensionen zu ebenso vielen Unternehmensstudien, geordnet von einer programmatischen Einleitung, die mit einer Pressegeschichte eröffnet – dem Satz der Konzernerbin Verena Bahlsen, man habe sich 1933 bis 1945 „nichts zuschulden kommen lassen“. Der Leser wird so zur Lektüre eingestimmt: mit Empörung als Gefühl und mit moralischer Positionsbestimmung als Grundton.


Jörg Späters monumentale 
„Solche Uffrur“ wie jener von 1525 „ist mit Tyrrani gelegt und gestillet worden„, urteilte Johannes Stumpf, ein Pfarrer im Zürcher Oberland und ein Freund des Schweizer Reformators Huldrich Zwingli. „Dan Tyrrani und Uffrur gehören zusamen, es ist Deckel und Hafen.“