Kategorie-Archiv:Besprechungen

Die Revolution des gemeinen Mannes

„Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes“ aus der C.H. Beck Wissen-Reihe bietet eine kompakte, aber fundierte Darstellung des deutschen Bauernkriegs von 1524/25. Das Buch zeichnet sich durch mehrere zentrale Aspekte aus, die der Experte für Bauernkriegsforschung Peter Blickle kompakt und mit vielen Originaltönen darlegt. So heißt es gleich zu Beginn des ersten Kapitels:

Solche Uffrur“ wie jener von 1525 „ist mit Tyrrani gelegt und gestillet worden„, urteilte Johannes Stumpf, ein Pfarrer im Zürcher Oberland und ein Freund des Schweizer Reformators Huldrich Zwingli. „Dan Tyrrani und Uffrur gehören zusamen, es ist Deckel und Hafen.

Blickles Grundthese: Er interpretiert den Bauernkrieg nicht nur als agrarischen Aufstand, sondern als umfassende gesellschaftliche Revolution des „Gemeinen Mannes“ – ein Begriff, der alle nicht-privilegierten Schichten umfasst, also Bauern, Handwerker und städtische Unterschichten.

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Anders denken, mehr verstehen 

Einige grundsätzliche Konzepte helfen, um unsere Welt und unser Leben besser zu verstehen. Dazu gehört, blinde Flecken und dummes Denken zu reduzieren, um die Welt verstehen wie sie ist und funktioniert, nicht wie ich sie mir wünsche oder annehme wie sie sein soll.
Shane Parrish, ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter (Cybersecurity), der für den Communications Security Establishment (Kanadas nationale Sicherheitsbehörde) gearbeitet hat, bietet gleich zu Beginn zwei wegweisende Zitate:

The key to better understanding the world is to build a latticework of mental models.

Education doesn’t prepare you for the real world.

Beide Aussagen treffen meiner Erfahrung nach zu. Wir alle tragen Modelle der Welt in uns. Doch erst wenn wir sie bewusst machen, mit anderen Perspektiven konfrontieren und mehr Fragen statt bloßer Narrative nutzen, verstehen wir komplexe Zusammenhänge besser.

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Marseille 1940: ergreifender Stoff, verwirrende Einzelschickale

Die Flucht deutscher Literaten und Intellektueller 1940 bis 1841 nach und über Marseille in eine freie Welt, vorwiegend die USA, reißt den Leser mit. Uwe Wittstock erzählt dicht und gestützt auf einen Fundus an Quellen. Die Schicksale sind ergreifend. Permanente Verfolgungsgefahr, Angst als Regime-Gegner von den Deutschen aufgegriffen zu werden, Internierung in französischen Lagern, abhängig von absurder, zuweilen perfider Bürokratie, der Willkür ausgeliefert, der Verlust von Status und bürgerlicher Existenz sowie körperliche und geistige Entbehrungen brechen über viele Literaten hinein. Sie haben die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Plötzlich schlägt alles um. Die Wehrmacht erobert Frankreich in rasendem Tempo. Marseille wird zum überfüllten Fluchtpunkt.

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