Schlagwort-Archiv:Wirtschaftsordnung

Warum ein Ordnungsmonitor für Deutschland?

Deutschland steckt in der Krise. Deutschland befindet sich im Niedergang. Deutschland steht vor der Wende. Deutschland reformiert sich.

An Diagnosen herrscht kein Mangel.

Das Problem beginnt einen Schritt früher: Was davon können wir eigentlich beobachten?

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver mit der Frage, wie sich Veränderungen einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung erkennen lassen, bevor aus ihnen entweder eine politische Erfolgsgeschichte oder eine Niedergangserzählung geworden ist. Einzelne Wirtschaftsdaten helfen dabei nur begrenzt. Wachstum kann beispielsweise durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben steigen, während die private Kapitalbildung zurückgeht. Höhere öffentliche Investitionen können neben einer weiterhin maroden Infrastruktur stehen. Sinkendes Vertrauen in eine Regierung ist etwas anderes als ein Vertrauensverlust in die rechtsstaatliche Ordnung.

Aus diesen Überlegungen ist der Ordnungsmonitor Deutschland entstanden.

Weiterlesen →

Ordnungsmonitor Deutschland

Ein experimentelles Messinstrument zur ordnungspolitischen Lage Deutschlands

Wie steht es um die Ordnung in Deutschland?

Darüber wird viel gesprochen – meist anhand einzelner Krisensymptome, politischer Entscheidungen oder aktueller Wirtschaftsdaten. Der Ordnungsmonitor Deutschland versucht einen anderen Zugang. Er beginnt nicht mit einer Diagnose, sondern mit der Frage, welche institutionellen und wirtschaftlichen Veränderungen sich überhaupt belastbar beobachten lassen.

Dazu werden 16 Indikatoren in vier Bereichen untersucht: Qualität der Rahmenordnung, staatliche Funktions- und Tragfähigkeit, produktive Wirtschaftsordnung sowie institutionelle Reaktion und Anpassung.

Der Ordnungsmonitor ist ein experimentelles Messinstrument. Er soll keinen Gesamtzustand Deutschlands auf eine Kennzahl reduzieren und keine Schlagzeilen produzieren. Er soll Entwicklungen sichtbar machen, Gegenbefunde ernst nehmen und im Zeitablauf unterscheiden helfen zwischen kurzfristiger Bewegung und struktureller Veränderung.

Nullmessung 2025/26

Die erste Ausgabe bildet den Ausgangspunkt. Sie legt Indikatoren, Messverfahren und Bewertungsregeln fest, an denen spätere Messungen anknüpfen können.

Weiterlesen →

Keine Soziale Marktwirtschaft mehr

Die subventionierte Automobilwirtschaft als empirische Fallstudie der Organisationswirtschaft

Der Idealtyp der Organisationswirtschaft – politisch organisierte Koordination bei formal erhaltener privater Eigentumsordnung, weder Marktwirtschaft noch Sozialismus – verlangt empirische Erdung, soll er nicht analytische Behauptung bleiben. Diese Fallstudie prüft an einem konkreten Material, ob hier tatsächlich weder Markt noch Plan, sondern administrative Lenkung bei erhaltener Privatrechtsform koordiniert. Das Material ist die deutsche Automobilförderung der Jahre 2016 bis 2026 – ein Sektor, der den Typus in seltener Reinheit zeigt, weil sich an ihm die drei konstitutiven Mechanismen zugleich beobachten lassen: administrative Einbettung, selektive Lenkung, Konformitätsdruck.

Weiterlesen →

Analyse der deutschen Reformunfähigkeit: Struktur, Dynamik, Ausblick

Diese Analyse beschreibt die Mechanik dieser Reformunfähigkeit:
Pfadabhängigkeiten, politökonomische Blockaden, eine überlastete Verwaltung und ein politisches Personal, dem vor allem Handlungsspielräume fehlen. Deutschland driftet – ohne dramatischen Bruch, aber auch ohne Richtung.

Ziel dieses Papiers ist es, die Funktionsweise dieses Drifts – Drift = Bewegung ohne Steuerung, Abbau ohne Kollaps – nachvollziehbar zu machen und die Punkte zu identifizieren, an denen ein späteres Erneuerungsfenster entstehen könnte. Nicht als Prognose, sondern als strukturierte Lagebeschreibung eines Landes, das zwischen Stabilität und Stillstand verharrt und vor einer dauerhaften Erschöpfung seiner institutionellen, ökonomischen und politischen Leistungsfähigkeit steht.

Weiterlesen →

Kapitalismus – kaum verstanden

Kapitalismus gehört zu den am meisten verwendeten und zugleich am wenigsten verstandenen Begriffen der Gegenwart. Für viele ist er gleichbedeutend mit Konzernen, Konsum, Reichtum, vielleicht auch Ungleichheit. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass das Wesen des Kapitalismus selten begriffen wird – nicht nur in der öffentlichen Debatte, sondern auch unter Ökonomen.

Im Gespräch zwischen Mike Munger und Russ Roberts auf EconTalk wird dieses Unverständnis auf den Punkt gebracht. Munger sagt unverblümt: „Most people don’t understand capitalism at all.“ Statt von Kapitalismus zu sprechen, als sei er eine politische Ideologie oder ein moralisches Urteil, rückt das Gespräch zwei fundamentale, aber oft übersehene Begriffe ins Zentrum: Arbeitsteilung und Marktgröße.

Diese Begriffe wirken zunächst unspektakulär. Doch wer sie ernst nimmt, beginnt Kapitalismus nicht nur anders zu sehen – sondern überhaupt erst zu begreifen.

Weiterlesen →