Schlagwort-Archiv:Besprechung

Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute

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Ronald D. Gerste, Augenarzt, Historiker, Journalist und Sachbuchautor, hat vor 10 Jahren eine populärwissenschaftliche Darstellung veröffentlicht, die Wetter- und Klimaereignisse als Faktoren historischer Entwick

lungen interpretiert. In 29 Essays verbindet er Episoden der Weltgeschichte mit meteorologischen Bedingungen – von der Antike bis in die Gegenwart.

Das Werk bewegt sich zwischen populärer Vermittlung und wissenschaftlicher Illustration. Es bietet eine Reihe selektiv gewählter Beispiele, die zumeist bildungsbürgerliche relevante Ereignisse rekapitulieren – etwa die Seeschlacht bei Salamis, die Russlandfeldzüge Napoleons und Hitlers, die Stürme gegen die spanischen Armadas – extreme Kälte-, Hitze-, Dürrephasen, letztere ist z.B. mit dem Niedergang der Maya-Kultur verbunden. Auch kulturhistorische Motive wie die Winterbilder Averkamps werden einbezogen oder die Gründung der Masse der deutschen Stäfte während der mittelalterlichen Warmzeit.

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Jörg Später: Siegfried Kracauer. Eine Biographie

Ein stiller Selbstdenker erwacht zu neuem Leben

Jörg Späters monumentale Biographie über Siegfried Kracauer (rund 750 Seiten) ist zunächst gewöhnungsbedürftig – wer rechnet schon damit, dass die Lebensgeschichte eines Architekten-Feuilletonisten-Filmtheoretikers derart packend werden kann? Doch genau das gelingt dem Freiburger Historiker: Er erweckt einen stillen, stotternden, wenig sichtbaren Selbstdenker zu neuem Leben.

Kracauer verkörpert einen bewussten Grenzgänger: ein Intellektueller, der aus gefühlter Einsamkeit und prekären Verhältnissen heraus in Spezialistenkreisen innoviert und dabei gesellschaftliche Tiefenstrukturen freilegt. Später zeigt, wie dieser „pan-optische Deuter der Moderne“ aus großem intellektuellem Drang die „unscheinbaren Oberflächenäußerungen“ seiner Zeit – Filme, Tänze, Ornamente – zu epochalen Diagnosen destilliert. Keine Heldengeschichte, sondern das Porträt eines Außenseiters zwischen den Disziplinen.

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Die Psychologie der Grausamkeit – Baumeisters Standardwerk neu gelesen

Kriegerische Gewalt ist heute wieder blutiger Alltag – von der Ukraine bis zum Nahen Osten. Doch auch im Innern der westlichen Gesellschaften erleben wir Gewaltausmaße, die aus Sicht der Bevölkerungen dringend nach Lösungen verlangen: Terroranschläge und Amokläufe, aber auch fortwährende Gewalt im öffentlichen Raum durch Gebrauch von Messern und Schusswaffen, erschüttern das Vertrauen in friedliche Koexistenz. Was treibt Menschen zu solchen Grausamkeiten? Wie können wir verstehen, was wir zu bekämpfen versuchen?

Der amerikanische Sozialpsychologe Roy F. Baumeister wagte sich bereits 1997 an diese fundamentalen Fragen heran und schuf mit „Evil: Inside Human Violence and Cruelty“ (deutsche Übersetzung: „Vom Bösen. Warum es menschliche Grausamkeit gibt“) eine Arbeit, die auch nach über zwei Jahrzehnten als Standardwerk gilt.

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