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Der Gärtner und der Planer

Es braucht die Entfernung, um die Proportionen wiederzusehen. Nach langen Reisewochen durch Wälder und an Küsten wirken die Nachrichten fast absurd, die Themen der sozialen Medien befremdlich – nicht weil sich ihr Inhalt geändert hätte, sondern weil die Fähigkeit zurückgekehrt ist, ihre Dringlichkeitssignale zu bemessen. Der Wald relativiert nicht die Inhalte. Er relativiert die Erregung, mit der sie ausgestattet sind. Denn der Wald sendet nicht. Keine Instanz will dort meine Aufmerksamkeit; die Ordnung ist da, ohne adressiert zu werden. Die Stadt, jedenfalls die mediale Schicht über ihr, kennt diese Senderlosigkeit nicht. Sie zieht Aufmerksamkeit nicht an, sie richtet sich an mich.

Das ist die erste und tragende Unterscheidung, und sie verläuft nicht zwischen Natur und Stadt, sondern zwischen senderloser und senderförmiger Ordnung.

Vor einigen Jahren habe ich Städte vor allem als Arbeitsmarktnetzwerke verstanden, mit Hayek gegen die Anmaßung der Planer und mit Alain Bertaud gegen die Illusion, komplexe Koordination lasse sich zentral entwerfen (Link FFG). Das gilt weiter. Aber die Reise hat eine zweite Ebene freigelegt, die der ökonomische Blick nicht erfasst: die sinnliche. Sie ist es, die das Empfinden trägt, und sie verdient dieselbe Ernsthaftigkeit wie das Argument.

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Die Versuchung der Ordnung – Ein Plädoyer für die Kunst dezentral zu bleiben

Planung ist die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum.
— Robert Nef

„Die Kunst des Fortschritts besteht darin, inmitten des Wechsels Ordnung zu wahren, inmitten der Ordnung den Wechsel aufrechtzuerhalten.“ 
— 
Alfred N. Whitehead

Jeder Garten, der ohne Gärtner gedeiht, verführt uns zu der Annahme, jemand müsse ihn geplant haben.
Wir sehen die Symmetrie seines Wachsens, das stille Gleichgewicht seines Lebens – und glauben an eine verborgene Hand. Doch da ist nur Zeit, Zufall und die leise Disziplin der Natur: ein sich selbst ordnendes System, das sich korrigiert, ohne je kommandiert zu werden. Das gelingt sogar im Fall einer Renaturierung – wunderbar beschrieben hat das Isabella Tree in ihrem Buch „Wilding. The Return of Nature to a British Farm“. Die prosperierende Natur kommt durch unsichtbaren Hände, Hufe, Flügel, Schnäbel, Knospen und Wurzeln entwickelt sich ungeplant.

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