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Die Bucht – mehr als libertäres Strandgut

Eine ordnungsökonomische Lektüre von „Tage am Strand“

Anne Fontaines Film Tage am Strand (2013, Originaltitel Adore) verfilmt Doris Lessings Novelle The Grandmothers. Zwei Freundinnen seit der Kindheit, Lil und Roz, leben in einer abgeschiedenen australischen Bucht. Ihre Söhne Ian und Tom sind zusammen aufgewachsen. Im Sommer, in dem die jungen Männer etwa zwanzig sind, beginnt eine über Kreuz gelegte Affäre: Ian geht zu Roz, Tom zu Lil. Keiner hat die Mutter des anderen zuvor als Frau wahrgenommen, niemand empfindet das Arrangement als Bruch eines Tabus. Die Bucht erlaubt alles, was außerhalb undenkbar wäre. Die Affäre dauert Jahre, überlebt die Ehen der Söhne mit gleichaltrigen Frauen und endet erst, als diese jüngeren Frauen erfahren, was geschieht.

Der Film ist schön gefilmt, die Darstellerinnen sind in Reichweite ihrer Rolle, und die Kritik hat ihn überwiegend für konventionelle Einwände genutzt: abwesende Väter, hölzerne Dialoge, unglaubwürdige Konstellation. Diese Einwände verfehlen das Interessante. Was den Stoff analytisch bemerkenswert macht, ist weder der Altersunterschied noch die moralische Grenzüberschreitung, sondern die Struktur der Konstellation und das, was sie über die Bedingungen ihrer eigenen Stabilität verrät.

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Ein anderer Spiegel: Wenn Serien uns erkennen helfen

Über „Bosch“, Heldenbilder und das stille Echo im eigenen Leben

Fiktion erzählt nicht nur Geschichten – sie bietet Projektionsflächen. Man schaut einer Figur beim Leben zu – und entdeckt, oft unbewusst, sich selbst. Die Serie Bosch tut das auf besondere Weise. Ihre Wirkung liegt nicht in dramatischer Handlung, sondern in Haltung. Sie zeigt eine Figur, die leise wirkt, aber deutlich steht.

1. Ein moderner Held – reduziert auf Wesentliches

Harry Bosch ist kein strahlender Held. Er hat keine Superkräfte, keine Pose. Er ist ein Mensch mit Prinzipien, Unabhängigkeit, Klarheit im Urteil. Er lebt einfach – aber nicht achtlos. Er arbeitet gründlich – aber nicht gefallsüchtig. Er streitet, wo nötig – und schweigt, wo es nichts mehr zu sagen gibt.

Diese Haltung ist selten geworden. In einer Welt der Selbstdarstellung wirkt Bosch fast altmodisch. Genau das macht ihn attraktiv. Seine Kleidung: funktional, aber bewusst gewählt. Sein Zuhause: reduziert, mit Blick auf die Stadt. Seine Musik: Jazz, als Ausdruck innerer Ordnung und stiller Kraft. Sein Umgang mit Frauen: nicht blendend, aber aufrichtig. Keine Pose – Präsenz.

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