Deutschland steckt in der Krise. Deutschland befindet sich im Niedergang. Deutschland steht vor der Wende. Deutschland reformiert sich.
An Diagnosen herrscht kein Mangel.
Das Problem beginnt einen Schritt früher: Was davon können wir eigentlich beobachten?
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver mit der Frage, wie sich Veränderungen einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung erkennen lassen, bevor aus ihnen entweder eine politische Erfolgsgeschichte oder eine Niedergangserzählung geworden ist. Einzelne Wirtschaftsdaten helfen dabei nur begrenzt. Wachstum kann beispielsweise durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben steigen, während die private Kapitalbildung zurückgeht. Höhere öffentliche Investitionen können neben einer weiterhin maroden Infrastruktur stehen. Sinkendes Vertrauen in eine Regierung ist etwas anderes als ein Vertrauensverlust in die rechtsstaatliche Ordnung.
Aus diesen Überlegungen ist der Ordnungsmonitor Deutschland entstanden.

Wenn ich in den Wald gehe, gehe ich nicht nur spazieren. Das ist mir lange nicht aufgefallen, weil es sich nicht wie eine Anstrengung anfühlt, eher wie ein Grundton, der seit vielen Jahren läuft. Ein Waldrand ist für mich kein Bild, sondern ein Übergang – die Zone, in der Sicht und Wirkung auseinanderfallen, in der man gesehen wird, bevor man selbst sieht. „Waldränder sind mit Scheiße beschmiert“, hat einer meiner Ausbilder drastisch gesagt, und der Satz ist geblieben, wie solche Sätze bleiben: körperlich, unvergesslich, wahr. Ich habe ihn mit neunzehn gelernt und trage ihn mit mir, ob ich will oder nicht.
Ordnungsökonomischer Zugang zu einem meist ökologisch verhandelten Gegenstand. Der Beitrag zeigt die Dominanz der Fichte als Ergebnis von wirtschaftlichem Interesse, forstwissenschaftlichem Leitbild und staatlicher Lenkung – und ihre Persistenz als institutionellen Lock-in, der fortbestand, nachdem die ursprünglichen Gründe entfallen waren. Am Fall des Privatwaldes wird die Grundfigur der Organisationswirtschaft greifbar: formell privates Eigentum bei politisch konfiguriertem Handlungsraum. Zwischen Ökologismus und Konstruktivismus steht der Gärtner als Leitbild einer Ordnungspolitik, die verteiltes Wissen und Zeit aufnimmt, statt sie zu überschreiben. Angeregt von Norbert Berthold.
Ordnung ist das Regelgefüge, innerhalb dessen wir unsere Handlungen aufeinander abstimmen. Sie bezieht sich auf Regeln, nicht auf Ergebnisse. Eine geordnete Wirtschaft ist nicht eine, in der bestimmte Resultate herauskommen, sondern eine, in der verlässliche Formen gelten, innerhalb deren sich Millionen unabhängiger Pläne koordinieren. Die staatlich verantwortete Teilmenge dieser Ordnung ist die Rahmenordnung: Eigentum, Vertrag, Haftung, Wettbewerbsrecht, eine stabile Geldverfassung. Der Rahmen ist gestaltet, das Bild, das in ihm entsteht, nicht.
Wer in der Aprilausgabe 2026 der sehepunkte das Forum Unternehmen und Nationalsozialismus liest, begegnet einem eigentümlichen Gemisch. Neun Rezensionen zu ebenso vielen Unternehmensstudien, geordnet von einer programmatischen Einleitung, die mit einer Pressegeschichte eröffnet – dem Satz der Konzernerbin Verena Bahlsen, man habe sich 1933 bis 1945 „nichts zuschulden kommen lassen“. Der Leser wird so zur Lektüre eingestimmt: mit Empörung als Gefühl und mit moralischer Positionsbestimmung als Grundton.