Schlagwort-Archiv:Krieg

Ökonomie des Sieges – Warum Abschreckung Freiheit braucht

Kriege werden nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden, sondern im Kern ökonomisch. Wer die Ressourcen hat, sie rechtzeitig mobilisieren kann und seine Produktionskapazitäten flexibel anpasst, besitzt den entscheidenden Vorteil. Das gilt besonders für fundamentale Auseinandersetzungen, in denen es nicht um einzelne Schlachten, sondern um die Existenz von Staaten und Gesellschaften geht.

Ein eindrückliches Beispiel liefert die amerikanische Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. In einem Gespräch mit Brian Potter schildert Russ Roberts in seinem Podcast EconTalk, wie die USA nahezu aus dem Nichts 300.000 Flugzeuge innerhalb von fünf Jahren bauten. Diese gewaltige Rüstungsleistung steht sinnbildlich für das, was Präsident Roosevelt das „Arsenal of Democracy“ nannte.

Kriege werden ökonomisch gewonnen

Die militärische Stärke der USA speiste sich weniger aus der Zahl der Soldaten als aus der Fähigkeit, Nachschub, Waffen und Fahrzeuge in einer bis dahin unvorstellbaren Größenordnung zu liefern. Die ökonomische Basis entschied darüber, ob Kriege durchgestanden oder verloren wurden, wer auf dem Schlachtfeld mit modernen Waffen in ausreichender Zahl die Oberhand behielt – Lufthoheit, Meere beherrschen, auf dem Land letztlich unaufhaltsam sein.

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Die Psychologie der Grausamkeit – Baumeisters Standardwerk neu gelesen

Kriegerische Gewalt ist heute wieder blutiger Alltag – von der Ukraine bis zum Nahen Osten. Doch auch im Innern der westlichen Gesellschaften erleben wir Gewaltausmaße, die aus Sicht der Bevölkerungen dringend nach Lösungen verlangen: Terroranschläge und Amokläufe, aber auch fortwährende Gewalt im öffentlichen Raum durch Gebrauch von Messern und Schusswaffen, erschüttern das Vertrauen in friedliche Koexistenz. Was treibt Menschen zu solchen Grausamkeiten? Wie können wir verstehen, was wir zu bekämpfen versuchen?

Der amerikanische Sozialpsychologe Roy F. Baumeister wagte sich bereits 1997 an diese fundamentalen Fragen heran und schuf mit „Evil: Inside Human Violence and Cruelty“ (deutsche Übersetzung: „Vom Bösen. Warum es menschliche Grausamkeit gibt“) eine Arbeit, die auch nach über zwei Jahrzehnten als Standardwerk gilt.

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Die Revolution des gemeinen Mannes

„Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes“ aus der C.H. Beck Wissen-Reihe bietet eine kompakte, aber fundierte Darstellung des deutschen Bauernkriegs von 1524/25. Das Buch zeichnet sich durch mehrere zentrale Aspekte aus, die der Experte für Bauernkriegsforschung Peter Blickle kompakt und mit vielen Originaltönen darlegt. So heißt es gleich zu Beginn des ersten Kapitels:

Solche Uffrur“ wie jener von 1525 „ist mit Tyrrani gelegt und gestillet worden„, urteilte Johannes Stumpf, ein Pfarrer im Zürcher Oberland und ein Freund des Schweizer Reformators Huldrich Zwingli. „Dan Tyrrani und Uffrur gehören zusamen, es ist Deckel und Hafen.

Blickles Grundthese: Er interpretiert den Bauernkrieg nicht nur als agrarischen Aufstand, sondern als umfassende gesellschaftliche Revolution des „Gemeinen Mannes“ – ein Begriff, der alle nicht-privilegierten Schichten umfasst, also Bauern, Handwerker und städtische Unterschichten.

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