Schlagwort-Archiv:Organisationswirtschaft

Grauwerte

Zur Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte im Nationalsozialismus – eine ordnungsökonomische Neubetrachtung

Wer in der Aprilausgabe 2026 der sehepunkte das Forum Unternehmen und Nationalsozialismus liest, begegnet einem eigentümlichen Gemisch. Neun Rezensionen zu ebenso vielen Unternehmensstudien, geordnet von einer programmatischen Einleitung, die mit einer Pressegeschichte eröffnet – dem Satz der Konzernerbin Verena Bahlsen, man habe sich 1933 bis 1945 „nichts zuschulden kommen lassen“. Der Leser wird so zur Lektüre eingestimmt: mit Empörung als Gefühl und mit moralischer Positionsbestimmung als Grundton.

Die Rezensionen selbst liefern dann ein anderes Bild. Einige bedienen den Grundton, etwa die Besprechung des Bahlsen-Bandes mit der Formulierung, ein Unternehmen, das Zwangsarbeiter beschäftigte, habe sich „widersinnig“ von aller Schuld freisprechen wollen. Andere – die überwiegende Mehrheit – arbeiten differenziert, mikroökonomisch präzise und ohne katechetische Gesten. Andrea Schneider-Braunbergers Miele-Studie wird als Lehrbuchfall differenzierender Unternehmensgeschichte gewürdigt; Paul Erkers Benckiser-Monographie wird empirisch genau geprüft; Manfred Griegers Südzucker-Band wird an seiner analytischen Schwäche gemessen und in die von Tim Schanetzky formulierte Kritik an der Auftragsforschung eingeordnet; Karlsch und Griegers DEA-Studie wird daran gemessen, ob sie über Deskription hinaus zur Analyse vorstößt.

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Ökonomie des Sieges – Warum Abschreckung Freiheit braucht

Kriege werden nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden, sondern im Kern ökonomisch. Wer die Ressourcen hat, sie rechtzeitig mobilisieren kann und seine Produktionskapazitäten flexibel anpasst, besitzt den entscheidenden Vorteil. Das gilt besonders für fundamentale Auseinandersetzungen, in denen es nicht um einzelne Schlachten, sondern um die Existenz von Staaten und Gesellschaften geht.

Ein eindrückliches Beispiel liefert die amerikanische Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. In einem Gespräch mit Brian Potter schildert Russ Roberts in seinem Podcast EconTalk, wie die USA nahezu aus dem Nichts 300.000 Flugzeuge innerhalb von fünf Jahren bauten. Diese gewaltige Rüstungsleistung steht sinnbildlich für das, was Präsident Roosevelt das „Arsenal of Democracy“ nannte.

Kriege werden ökonomisch gewonnen

Die militärische Stärke der USA speiste sich weniger aus der Zahl der Soldaten als aus der Fähigkeit, Nachschub, Waffen und Fahrzeuge in einer bis dahin unvorstellbaren Größenordnung zu liefern. Die ökonomische Basis entschied darüber, ob Kriege durchgestanden oder verloren wurden, wer auf dem Schlachtfeld mit modernen Waffen in ausreichender Zahl die Oberhand behielt – Lufthoheit, Meere beherrschen, auf dem Land letztlich unaufhaltsam sein.

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