Selten war politische Aufmerksamkeit so allgegenwärtig wie heute. Politik wird kommentiert, kritisiert, mobilisiert, taktisch durchgerechnet; nahezu jeder hat eine Meinung, viele eine dezidierte. Dem steht eine nüchterne Tatsache gegenüber: Der Einfluss der einzelnen Stimme auf den Wahlausgang ist verschwindend gering. Ein zweiter Befund verschärft das Bild. Die Wahlbeteiligung ist in Deutschland zuletzt bei den Landtagswahlen gestiegen, zugleich trauen Umfragen zufolge immer weniger Bürger „der Politik“ zu, die Lage zu verbessern. Aktivierung und Ernüchterung treten gemeinsam auf.
Beides wirkt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die Auflösung führt zu einer Frage, die über die Tagesdiagnose hinausreicht: Warum führt verbreitete Enttäuschung zu politischem Wechsel, aber so selten zu institutioneller Erneuerung? Den Anlass bietet ein Gespräch zwischen Russ Roberts (geb. 1954) und Michael Munger (geb. 1958) über Public Choice als „Politik ohne Romantik“. Das dort entfaltete Instrumentarium erklärt mehr als die Funktionsweise von Wahlen. Es erklärt m.E., warum die Romantik bleibt, wenn ihre Träger gehen.


