Warum eine Jubiläumsvorlesung mehr über den Verfall verrät als über die Marktwirtschaft
Im Wintersemester 2026/27 widmet die Universität zu Köln der Sozialen Marktwirtschaft eine Ringvorlesung. Der Titel fragt nach ihrer Zukunft, das Programm reicht von Eucken, Erhard und Müller-Armack bis zu den Bewährungsproben der Gegenwart – Notenbankunabhängigkeit, Rentendemografie, Künstliche Intelligenz, Bürokratie. Am Ende steht, so die Ankündigung, eine „kritische Bilanz“. Die Referentenliste liest sich wie eine Familienaufstellung des wirtschaftspolitischen Mainstreams: sorgfältig ausbalanciert vom ordoliberal Affirmativen über die wirtschaftsnahe Mitte bis zur verteilungspolitischen Linken. Alles ist da. Und doch fehlt etwas so vollständig, dass es niemandem auffällt.
Es fehlt die Frage, ob die Ordnung, deren Zukunft verhandelt wird, überhaupt noch die ist, für die sie gehalten wird – und ob der Betrieb, der sie verhandelt, die Kategorien besitzt, um das zu bemerken.
Das ist keine Kritik an den Beteiligten. Es sind kompetente Ökonomen, die kompetente Vorträge halten werden. Die Beobachtung zielt nicht auf Personen, sondern auf ein Format und darauf, was das Format über den Zustand seiner eigenen Voraussetzungen preisgibt.

