Anspruch, Realität und strukturelle Probleme der Politikberatung

I. Boom und Grundmythos der Politikberatung
Politikberatung erlebt seit Jahren einen massiven Aufschwung.
In Deutschland existieren rund 225 Think Tanks (Statista 2017), von denen viele aktiv in den politischen Prozess eingreifen. Die Bundesregierung hat ihre Ausgaben für externe Beratung von 63 Mio. Euro (2014) auf 240 Mio. Euro (2023) fast vervierfacht.1 Auf EU-Ebene vergibt die Kommission inzwischen Beratungsaufträge im Volumen von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr. Weltweit hat sich die Zahl der Think Tanks seit 1980 mehr als verdoppelt.2
Damit dürften das Beratungsphänomen und seine Entwicklung eher grob skizziert worden sein. Die Probleme sind vielschichtiger.



Die Flucht deutscher Literaten und Intellektueller 1940 bis 1841 nach und über Marseille in eine freie Welt, vorwiegend die USA, reißt den Leser mit. Uwe Wittstock erzählt dicht und gestützt auf einen Fundus an Quellen. Die Schicksale sind ergreifend. Permanente Verfolgungsgefahr, Angst als Regime-Gegner von den Deutschen aufgegriffen zu werden, Internierung in französischen Lagern, abhängig von absurder, zuweilen perfider Bürokratie, der Willkür ausgeliefert, der Verlust von Status und bürgerlicher Existenz sowie körperliche und geistige Entbehrungen brechen über viele Literaten hinein. Sie haben die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Plötzlich schlägt alles um. Die Wehrmacht erobert Frankreich in rasendem Tempo. Marseille wird zum überfüllten Fluchtpunkt.