Schlagwort-Archiv:Institutioneller Verfall

Der Markt im Kostüm

Wenn Beschleunigung Lenkung heißt

Institutioneller Verfall kündigt sich selten an. Er kommt nicht als Programm zur Abschaffung des Marktes, sondern als Programm zu seiner Rettung – schneller, klüger, strategischer. Die äußere Form des Marktes bleibt stehen, während seine innere Koordinationsfunktion nach oben wandert: von Preisen und unternehmerischem Urteil hin zu Zielvorgaben, Designationen und bedingten Genehmigungen. Genau das ist die Organisationswirtschaft – kein Plan im alten Sinne, aber auch keine freie Ordnung, sondern ein Drittes, das das Kostüm des Ersten trägt und nach der Logik des Zweiten arbeitet.

Eucken kannte zwei reine Typen, die Verkehrswirtschaft und die Zentralverwaltungswirtschaft. Die Organisationswirtschaft ist der Mischfall, den die Praxis ständig hervorbringt und die Theorie ungern benennt: privates Eigentum dem Namen nach, politische Lenkung der Sache nach. Sie ist weniger Doktrin als Symptom. Niemand beschließt sie. Sie akkumuliert – Krise um Krise, Ausnahme um Ausnahme, Beschleunigungsspur um Beschleunigungsspur –, weil der Verwaltungsapparat zum einzigen Instrument greift, das er beherrscht: zur Steuerung von oben. Jeder Schritt ist für sich vertretbar; die Summe ist die stetige Auszehrung jenes regelgebundenen Rahmens, auf den eine offene Gesellschaft angewiesen ist. Verfall ist eben nicht Kollaps, sondern die langsame Ersetzung von Ordnung durch Organisation.

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