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Wie wir die Welt erzählt bekommen – und warum die Liberalen die Literatur dem Gegner überlassen

Paul Cantor, langjähriger Anglist in Virginia und – das ist die biographische Pointe – einst Schüler von Ludwig von Mises, hat einen lesenswerten Essay hinterlassen: eine Lektüre von Thomas Manns Erzählung Unordnung und frühes Leid (1925) im Licht der österreichischen Inflationstheorie. Manns Geschichte spielt in der Weimarer Hyperinflation, und Cantor zeigt textnah, wie sich die Misessche Analyse in der Alltagswirklichkeit niederschlägt: die Flucht in Sachwerte, die rationierten Eier, der Verfall der Substanz zugunsten des Ersatzes, die Verkürzung der Zeitpräferenz, der Autoritätsverlust der Alten gegenüber den anpassungsfähigeren Jungen. Inflation zerfrisst, so Cantors These, mehr als die Geldbörse – sie zersetzt den Wirklichkeitssinn selbst. Geldentwertung als Realitätsentwertung: „Hyperinflation und Hyperrealität“.

Das ist originell und in den besten Passagen brillant. Es ist zugleich, das sei offen gesagt, weitschweifig und ein wenig undiszipliniert. Der eigentliche Ertrag wäre nach zwei Dritteln erreicht; der Bogen von Manns Erzählung über Magritte bis zu Foucault und Derrida ist geistreich, aber überdehnt, und der kämpferische Rahmen – Marxismus als Pensionärsheim abgewirtschafteter Theoretiker – altert nicht gut. Wer den Text liest, sollte ihn als Sprungbrett nehmen, nicht als letztes Wort.

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