Der erste Teil dieser Überlegung hat eine unbequeme These vertreten: Deutschlands wirtschaftliche Abwärtsbewegung ist kein Versagen. Sie ist das erwartbare Ergebnis einer Ordnung, die genau das produziert, was sie produziert. Der Vorwurf des Versagens setzt voraus, dass jemand etwas anderes wollte und daran scheiterte. Der Befund war der umgekehrte: Es funktioniert, nur eben nicht in Richtung Wohlstand.
Diese These hat eine Schwäche, und ich habe sie im ersten Teil nicht ausgeräumt. Wer sagt „kein Versagen, sondern Systemlogik“, der spricht implizit alle Beteiligten frei. Aus „niemand ist schuld” wird „es lag an der Struktur“, und die Struktur ist bekanntlich niemand. Das ist bequem, und es ist unvollständig. Denn eine Ordnung besteht aus Regeln und aus Menschen, die unter diesen Regeln handeln, sie schreiben, sie nutzen. Wer nur den Mechanismus zeigt, macht aus einer Analyse eine Entlastung.
Dieser zweite Teil fragt deshalb nach der anderen Seite. Nicht: Wer hat versagt? Sondern: Wie kann eine Ordnung so gebaut sein, dass niemand entscheiden muss und das Ergebnis dennoch feststeht? Der Fall, an dem sich das zeigen lässt, ist die deutsche Kernenergiepolitik — und er führt an einen Ort, den ich selbst nicht erwartet hatte.



