Wie das militärische Lesen des Terrains zu einem Grundmuster meines ordnungsökonomischen Blicks wurde – ein Deutungsversuch
Wenn ich in den Wald gehe, gehe ich nicht nur spazieren. Das ist mir lange nicht aufgefallen, weil es sich nicht wie eine Anstrengung anfühlt, eher wie ein Grundton, der seit vielen Jahren läuft. Ein Waldrand ist für mich kein Bild, sondern ein Übergang – die Zone, in der Sicht und Wirkung auseinanderfallen, in der man gesehen wird, bevor man selbst sieht. „Waldränder sind mit Scheiße beschmiert“, hat einer meiner Ausbilder drastisch gesagt, und der Satz ist geblieben, wie solche Sätze bleiben: körperlich, unvergesslich, wahr. Ich habe ihn mit neunzehn gelernt und trage ihn mit mir, ob ich will oder nicht.
Was ich dort tue, ohne es zu wollen, ist Lesen. Ich lese, immer wieder zu meiner Verwunderung, das Gelände: in Linien, wo Bewegung liefe, wo Feuer läge, in Stellen, an denen man vorsichtig sein sollte, und in solchen, über die man einfach Gas gibt und hinüberkommt. Der Wald teilt sich mir auf: hier böte sich Verteidigung an, dort eine Umgehung, da ein Angriff. Und mit jeder dieser Zuweisungen kommt, fast unmerklich, eine zweite Frage mit, die eigentlich die erste ist: wo erwarte ich das vom anderen? Ich vermute inzwischen, dass genau hier der Kern liegt. Ich lese nie bloß den Raum. Ich lese immer schon jemanden im Raum, der ebenfalls liest.

Geld wird gewöhnlich als technisches Instrument der Wirtschaftspolitik betrachtet – als Stellgröße, über die Zentralbanken Konjunktur, Beschäftigung und Preisniveau steuern sollen. Diese Vorstellung ist verbreitet, aber irreführend. Geld ist keine Variable bewusster Steuerung, sondern selbst eine Ordnungsfrage. Es koordiniert das Handeln Millionen einander unbekannter Menschen und ist damit Voraussetzung jeder funktionierenden Marktwirtschaft. Gerade darin unterscheidet sich eine freiheitliche Geldordnung grundlegend von den heutigen, politisch beherrschten Währungssystemen. Wo Diskretion, Intervention und Krisenbewirtschaftung vorherrschen, setzt eine liberale Geldordnung auf allgemeine Regeln, Haftung und Wettbewerb. Dieser Essay entfaltet die Geldfrage nicht als geldpolitisches Programm, sondern als Ordnungsproblem. Er zeigt die strukturellen Defekte des Zentralbanksystems, die Logik wettbewerblicher Geldordnungen und die technologischen Voraussetzungen ihrer Wiederkehr – und erklärt, warum freies Geld weder populär noch wahrscheinlich, aber denkbar bleibt.
Vor fünfzig Jahren hat Friedrich August von Hayek eine Diagnose gestellt, die präziser war als fast alles, was die Geldtheorie seither hervorgebracht hat. Das staatliche Monopol über die Geldproduktion, so Hayek, ist nicht die natürliche Ordnung der Dinge, sondern eine politische Entscheidung — und eine folgenreiche. Die Instabilität der Marktwirtschaft, die man dem Markt anlastet, ist in Wahrheit die Instabilität des Geldes. Und das Geld ist instabil, weil es dem Marktprozess entzogen wurde. Die Therapie, die Hayek vorschlug, war ebenso konsequent wie folgenlos: Währungswettbewerb, konkurrierende private Emissionsbanken, Entnationalisierung des Geldes.