Deutschland steckt in der Krise. Deutschland befindet sich im Niedergang. Deutschland steht vor der Wende. Deutschland reformiert sich.
An Diagnosen herrscht kein Mangel.
Das Problem beginnt einen Schritt früher: Was davon können wir eigentlich beobachten?
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver mit der Frage, wie sich Veränderungen einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung erkennen lassen, bevor aus ihnen entweder eine politische Erfolgsgeschichte oder eine Niedergangserzählung geworden ist. Einzelne Wirtschaftsdaten helfen dabei nur begrenzt. Wachstum kann beispielsweise durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben steigen, während die private Kapitalbildung zurückgeht. Höhere öffentliche Investitionen können neben einer weiterhin maroden Infrastruktur stehen. Sinkendes Vertrauen in eine Regierung ist etwas anderes als ein Vertrauensverlust in die rechtsstaatliche Ordnung.
Aus diesen Überlegungen ist der Ordnungsmonitor Deutschland entstanden.
Er ist ausdrücklich ein experimentelles Messinstrument. 16 Indikatoren untersuchen vier Dimensionen: die Qualität der Rahmenordnung, die staatliche Funktions- und Tragfähigkeit, die produktive Wirtschaftsordnung sowie institutionelle Reaktion und Anpassung.
Die nun vorliegende Nullmessung 2025/26 dient zunächst der Selbstbindung. Indikatoren und Bewertungsregeln werden festgelegt, bevor wir wissen, was die nächste Messung ergeben wird. Gegenbefunde gehören ausdrücklich dazu.
Das Ergebnis fällt entsprechend uneinheitlich aus. Die deutlichsten Belastungssignale finden sich derzeit in der produktiven privaten Wirtschaftsordnung. Gleichzeitig bestehen erhebliche Stabilitätsreserven, und in einzelnen Bereichen sind Verbesserungen sichtbar.
Vielleicht ist gerade das der interessanteste Befund. Die Wirklichkeit fügt sich nicht recht in die beiden populären Erzählungen vom deutschen Absturz oder von einer bloß vorübergehenden Schwächephase.
Der Monitor zeigt vielmehr ein asymmetrisches Muster aus Substanzverlust, Belastung, Stabilität und sektoraler Regeneration.
Dahinter liegt eine weitergehende Frage, die mich schon länger beschäftigt. Verschiebt sich die Koordinationsweise unserer Wirtschaftsordnung? Neben Markt- und Zentralverwaltungswirtschaft habe ich dafür an anderer Stelle den Idealtypus der Organisationswirtschaft vorgeschlagen: Privateigentum und Märkte bleiben formal bestehen, während administrative Vorgaben, politische Mandate, Förderregime und andere organisierte Lenkungsmechanismen an Bedeutung gewinnen.
Der Ordnungsmonitor soll diese These ausdrücklich nicht bestätigen. Einige seiner Indikatoren können aber sichtbar machen, ob Entwicklungen in diese Richtung weisen – oder eben nicht.
Damit beginnt für mich der eigentlich interessante Teil des Projekts.
Denn die Nullmessung ist keine Schlussfolgerung. Sie ist ein Ausgangspunkt.
Links:
Download: Ordnungsmonitor_Deutschland_Nullmessung_2025-26_Version_1.0
