
Eine begriffliche Vorklärung zur Lage Deutschlands
Im deutschen Mediengetümmel verschwimmen die Krisenbilder. Mal ist von Stagnation die Rede, mal vom drohenden Absturz, mal von einem Reformstau, mal von einer Zeitenwende. Politik müsse endlich handeln, der Kollaps stehe bevor, das Land falle zurück. Was im Einzelnen zutreffen mag, ergibt zusammengenommen ein diffuses Bild – und genau darin liegt das Problem. Wer Krise sagt, meint selten dasselbe wie sein Gegenüber. Und wer alles zugleich für Krise hält, kann zwischen Symptomen, Ereignissen und Strukturen nicht mehr unterscheiden.
Eine begriffliche Vorklärung ist deshalb keine akademische Spielerei. Sie entscheidet darüber, welche Indikatoren relevant sind, welcher Zeithorizont gilt und welche politischen Schlussfolgerungen sich überhaupt ziehen lassen.
Drei Krisenbegriffe
Im öffentlichen Diskurs werden mindestens drei analytisch trennbare Bedeutungen von „Krise“ durcheinandergebracht:
